An(ge)dacht

Propst Dr. M. Langenfeld

Liebe Gemeindemitglieder,

liebe Leserinnen und Leser!

 

Das Gebot der Liebe ist für uns Christen der Maßstab unseres Denkens, Fühlens und Handelns. Dieser Dreiklang der Liebe gegenüber Gott, unseren Mitmenschen und gegenüber uns selbst ist der Weg zum wahren Glück. Wir versuchen, diesen Weg in unserem Alltag zu gehen: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Und: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Bei selbstkritischer Betrachtung müssen wir aber nicht selten feststellen, dass einige unserer Beziehungen nicht in Ordnung sind, dass sie unter Unachtsamkeit und Desinteresse, unter Konkurrenz und manchmal sogar Bosheit leiden.

 

Die Fastenzeit lädt uns ein, unser Verhältnis zu Gott, unseren Mitmenschen und zu uns selbst zu erneuern und zu beleben. Der Herr selbst bietet uns dazu seine Hilfe an. Denn es gibt so etwas wie einen Dreiklang der Umkehr. Die Bibel empfiehlt uns nämlich das Gebet, das Almosengeben und das Fasten. Wir würden heute modern ausgedrückt sagen: Das Beten, Teilen und Verzichten.

 

Im Beten, in der Stille und Betrachtung öffnet sich uns die Nähe und Liebe Gottes. Nicht mehr unsere Vorstellung von Gott bestimmt die Beziehung, sondern der Blick auf den Gekreuzigten und Auferstandenen. Er lässt uns ahnen und an Ostern mit echter Freude feiern, wer und wie Gott ist.

 

Im Teilen von Aufmerksamkeit, Zeit und materiellen Dingen kommt der Nächste wieder viel stärker in unseren Blick, seine Bedürftigkeit, sein Mangel an Zuwendung und Aufmerksamkeit, seine innere und äußere Not. Nicht mehr der Blick auf uns selbst, auf unsere Wünsche und Befindlichkeiten bestimmt die Beziehung, sondern die sensible Achtsamkeit für unseren Nächsten. Sie lässt unser Herz weit werden, so dass wir Ostern als Fest echter Gemeinschaft feiern können.

 

Im Verzicht auf Dinge, die uns satt, abhängig und unfrei machen, die uns reduzieren auf Arbeiten, Kaufen und Vergnügen, steigt unsere tiefste Sehnsucht wieder in uns auf und macht uns unruhig. Nicht mehr die schnelle Dämpfung unserer menschlichen Triebe bestimmt die Beziehung zu uns selbst, sondern ein spannendes Suchen und Kämpfen um die eigene gottgegebene Identität. So können wir an Ostern die engen Grenzen unserer Hier-und Jetzt-Orientierung sprengen in der Feier des Unendlichen.

 

Dass wir uns auf diesen Dreiklang der Umkehr einlassen, wünsche ich uns. So wird auch der Dreiklang der Liebe an Ostern wieder neu und rein erklingen.

 

Ihr Propst Michael Langenfeld

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