An(ge)dacht

Arbeit und Ehrenamt

Liebe Gemeinde,

der 1. Mai, der Tag der Arbeit, begegnet uns jedes Jahr ganz selbstverständlich. Für viele bedeutet er ein freier Tag, vielleicht ein Ausflug, Zeit im Garten oder ein Treffen mit Familie und Freunden. Gleichzeitig erinnert dieser Tag an etwas sehr Zentrales in unserem Leben: an die Arbeit, die unseren Alltag prägt, im Beruf, im Ehrenamt, in der Familie oder auch ganz still im Hintergrund.

Wenn ich an Arbeit denke, sehe ich nicht zuerst Strukturen oder Zahlen, sondern Menschen. Menschen, die früh aufstehen, Verantwortung tragen, sich sorgen, erschöpft heimkommen oder manchmal auch um ihre Arbeit bangen. Viele Gespräche in der Seelsorge drehen sich genau darum: um Überforderung, um fehlende Anerkennung, um Druck, aber auch um Freude an der eigenen Aufgabe und den Stolz, etwas Sinnvolles beitragen zu können.

Aus christlicher Sicht hat Arbeit immer mit Würde zu tun. Die Bibel erzählt von einem Gott, der selbst arbeitet und der zugleich weiß, dass der Mensch Ruhe braucht. Beides gehört zusammen. Arbeit darf nicht alles werden. Sie soll dem Leben dienen, nicht es beherrschen. Der arbeitsfreie Sonntag und auch Feiertage wie der 1. Mai erinnern daran, dass wir mehr sind als das, was wir leisten.

Der Tag der Arbeit lädt uns deshalb ein, genauer hinzuschauen:
Wer wird in unserer Gesellschaft oft übersehen?
Wer hält den Laden am Laufen, ohne viel Anerkennung zu bekommen?
Und wie gehen wir selbst mit den Menschen um, die für uns arbeiten, im Alltag, im Beruf, beim Einkaufen, in der Pflege oder im Ehrenamt?

Jesus wusste aus eigener Erfahrung, was es heißt, mit den Händen zu arbeiten. Als Handwerker kannte er Anstrengung, Zuverlässigkeit und die Müdigkeit am Abend. Das macht ihn für mich so nahbar und es macht deutlich: Gott ist mitten in unserem Arbeitsalltag gegenwärtig.

Am 1. Mai möchte ich daher Danke sagen, allen, die arbeiten, bezahlt oder unbezahlt. Und zugleich möchte ich diesen Tag als stilles Gebet verstehen, für gerechte Arbeitsbedingungen, für Menschen ohne Arbeit und für einen guten Ausgleich zwischen Einsatz und Erholung.

Möge dieser Feiertag uns daran erinnern, dass jede Arbeit Wert hat und jeder Mensch noch mehr.

Herzliche Grüße
Christian Damerau
Pastoralassistent in St. Marien Telgte

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