An(ge)dacht

wer Christus gewinnt, hat den größten Schatz seines Lebens

Liebe Schwestern und Brüder,

im Evangelium des nächsten Sonntags erzählt Jesus zwei kurze Gleichnisse, die doch das ganze Matthäusevangelium zusammenfassen. Ein Mann findet einen verborgenen Schatz. Ein Kaufmann entdeckt eine kostbare Perle. Beide verkaufen alles, was sie besitzen, um das zu gewinnen, was unendlich wertvoller ist: das Himmelreich.

 

Was ist eigentlich das Himmelreich? Das Himmelreich ist zunächst kein Ort, den wir erst nach dem Tod erreichen. Es ist die Gegenwart Gottes, die schon jetzt unser Leben verwandeln möchte. Deshalb spricht Jesus nicht von Zwang oder Pflicht, sondern von einer überwältigenden Freude. Der Mann im ersten Gleichnis verkauft seinen ganzen Besitz nicht widerwillig, sondern „in seiner Freude“. Wer Gott wirklich begegnet, verliert nichts Wesentliches, sondern gewinnt alles.

 

Die beiden Gleichnisse zeigen uns zugleich zwei verschiedene Wege des Glaubens. Der erste Mann findet den Schatz überraschend; er hat nicht danach gesucht. So erfahren viele Menschen Gottes Nähe unerwartet in ihrem Leben: durch eine Begegnung, eine Krise, einen Gottesdienst oder ein Wort der Heiligen Schrift. Der Kaufmann dagegen sucht bewusst nach der kostbaren Perle. Er steht für jene Menschen, die lange nach Wahrheit, Sinn und Gott suchen. Beide Wege führen zum selben Ziel: zur Begegnung mit Christus.

 

Die Kirchenväter sahen in dem verborgenen Schatz Christus selbst. Der heilige Augustinus schreibt, dass unser Herz unruhig bleibt, bis es Ruhe findet in Gott. Der Schatz ist verborgen, weil Christus oft nicht dort gefunden wird, wo die Welt nach Größe, Macht oder Reichtum sucht. Er offenbart sich vielmehr in der Demut, im Kreuz und in der Liebe. Der Apostel Paulus bekennt deshalb im Philipperbrief: „Ich halte alles für Verlust gegenüber dem unvergleichlichen Gewinn, Christus Jesus zu erkennen“ (Phil 3,8).

 

Die entscheidende Frage des heutigen Evangeliums lautet daher nicht: Was kostet mich der Glaube? Sondern: Was ist mir Christus wert? Jeder Mensch besitzt viele „Perlen“: Erfolg, Sicherheit, Besitz, Ansehen oder Bequemlichkeit. All das kann gut und wichtig sein. Doch nichts davon darf den Platz Gottes einnehmen. Nur Christus schenkt ein Leben, das Bestand hat.

 

Bitten wir den Herrn, unsere Augen für den verborgenen Schatz seines Reiches zu öffnen. Bitten wir ihn um den Mut, alles dem unterzuordnen, was wirklich zählt: die Beziehung zu Christus. Denn wer Christus gewinnt, hat den größten Schatz seines Lebens gefunden.

Liebe Grüße.

Pater Ephrem OSB.

Zurück