An(ge)dacht
eines Sinnes und einer Meinung sein
„Seid alle einmütig und duldet keine Spaltungen unter Euch;
Seid vielmehr eines Sinnes und einer Meinung …“
Ja, wenn das mal so einfach wäre in der Kirchengemeinde, „eines Sinnes sein…“. Das war schon zu Zeiten des Apostels Paulus eine Herausforderung und das ist es bis heute. Paulus ist so enttäuscht und das spüren wir ihm durch und durch an, dass seine geliebte Gemeinde in Korinth schon in kurzer Zeit alles vergessen zu haben scheint, was er ihnen mit auf den Weg gab, als er die Gemeinde gründete. Nun liegt die Spaltung und das sich nicht Verstehen vor seinen Augen, wo einst Zuwendung und Gemeinschaft spürbar waren und keiner zurückgelassen wurde. Ist es denn zwingend notwendig, dass immer alle einer Meinung sind? Sind nicht das ehrliche Ringen und auch die leidenschaftliche Diskussion manchmal die geeigneteren Wege, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen - als bloße Uniformität? Als wäre es in unsere Zeit hineingesprochen, was Paulus hier deutlich macht, ganz im Anfang des 1. Briefes an die Gemeinde in Korinth. „Ich halte zu jener Strömung in der Kirche oder zu diesem oder jenem Bischof.“ Wir sprechen in diesen Tagen viel von Synodalität in der Kirche und dazu gehört eben auch in Zeiten divergierender Meinungen den gemeinsamen Weg mit Christus nicht aus dem Blick zu verlieren. Es gibt einen gravierenden Unterschied zwischen dem Wesen unterschiedlicher Auffassungen und wie ich angesichts dessen miteinander umgehe oder dem Wesen von Spaltung. Spaltung sieht niemanden und nichts außer sich selbst. Synodales Handeln lässt auch den- oder diejenige zu Wort kommen, die ich eigentlich gar nicht mag. In einer Weltensituation, die zerrissen und gespalten ist, dort wo blinde Kriege und Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung sind, ist die Christenheit aufgerufen den Appell des Paulus zur Einheit nicht zu überhören, so wie das Gebet Jesu im Abendmahlssaal:
„Vater ich möchte, dass alle eins sind (…) damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast...“ (vgl. Joh 17, 21).
Es geht letztlich um eine Haltung, die zum Frieden führt.
Domkapitular Gregor Kauling