An(ge)dacht

Fasten und Stille

Die Fastenzeit geht bekanntlich auf die 40 Tage Jesu in der Wüste zurück. Davon berichten die Evangelien (Mk 1,12-13; Mt 4, 1-12; Lk 4, 1-13). Was er da wohl gehört haben mag?

Ich stelle mir die Wüste jedenfalls als äußerst stillen Ort vor – fast wie eine schallisolierte Kammer. Als ich mal in einem Tonstudio war, war das eine seltsame Erfahrung. Absolut keine Nebengeräusche, nur die eigene Atmung, die eigene Stimme und das Instrument in der Hand waren zu hören. Ein unbarmherziger Ort. Alles wird exakt so aufgenommen, wie es ist – ohne jede Beschönigung mit allen deutlich hörbaren Unzulänglichkeiten. Ich war da ganz auf mich zurückgeworfen. Danach wusste ich genau, woran ich arbeiten will.

Diese Bild passt zur Erfahrung von Jesus in der Wüste. In dieser Stille war er völlig auf sich gestellt und musste sich der Stimme stellen, die seine Schwächen offenlegte. Er konnte die Geister, die ihn mit Macht versuchten, genau unterscheiden. Danach legte Jesus erst richtig los, er begann mit seinem heilsamen Wirken in der Welt.

Fastenzeit ist wie eine Stillekammer, aus der wir zwar einsichtig, aber auch gestärkt herausgehen können.

Vielen Mächtigen dieser Welt scheint das völlig zu fehlen.

Dr. David Krebes, Pastoralreferent in St. Marien Telgte

Zurück