An(ge)dacht
Fastenzeit und Socialmedia
Liebe Gemeindemitglieder und Gäste!
Politik und Gesellschaft diskutieren gerade eine Altersbeschränkung für die Nutzung von sozialen Medien für Kinder und Jugendliche, nachdem unter anderem Australien ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige eingeführt hat.
Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG) hat in einer aktuellen Erhebung ermittelt, dass über ein Viertel aller Befragten ein suchtartiges Nutzungsverhalten der sozialen Medien aufweist. Unter 20-Jährige nutzen sie gut vier Stunden pro Tag. So scheint es nicht überraschend, dass mehr als die Hälfte von ihnen (51,3 %) deutliche Suchtsymptome zeigen, bei den 20- bis 39-Jährigen sind es knapp 35 %. Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen und psychische Erkrankungen sind nicht selten die Folge.
Bei dieser Meldung kam mir die gerade begonnene Fastenzeit in den Sinn. Ein Aspekt dieser Zeit ist nämlich das Bemühen um das rechte Maß, um einen guten Umgang mit verschiedenen Dingen, die durchaus gut und auch schön sind, die uns aber, wenn wir uns auf sie fixieren, zu entmündigen und zu isolieren beginnen und uns an Leib und Seele krank machen. Früher waren es vor allem zu viel Süßigkeiten, Alkohol, Essen, zu viel Fernsehen oder Autofahren, auf die sich der Fokus des Verzichtens richtete. Heute ist es für nicht wenige Menschen dann wohl eher ein selbstkritischer und selbstbestimmter Umgang mit Social Media.
Immer geht es in der Fastenzeit um die Fragen: Was tut mir wirklich gut? Was tut dem Zusammenhalt von uns Menschen gut? Was tut der Schöpfung gut? Und nicht zuletzt: Was lässt mich und uns aufmerksam bleiben für das Wirken eines Gottes, der uns Menschen seine Kraft schenkt bei unserem ständigen Ringen um innere Freiheit und Würde?
Eine befreiende Fastenzeit mit Gottes Hilfe wünscht Ihnen
Propst Michael Langenfeld