An(ge)dacht
Gemeinsam ans Ziel
Gemeinsam ans Ziel
Die Fußball-Weltmeisterschaft läuft noch, und viele Menschen fiebern mit. In den Stadien und vor den Bildschirmen erleben wir Begeisterung, Spannung und manchmal auch Enttäuschung. Mannschaften kämpfen um ihr großes Ziel. Dabei wird schnell deutlich: Erfolg hat niemand allein. Es braucht Zusammenhalt, Vertrauen und Menschen, die einander unterstützen.
Während die einen noch auf die nächsten Spiele schauen, machen sich schon bald tausende Pilgerinnen und Pilger aus dem Bistum Osnabrück auf den Weg nach Telgte. Auch sie haben ein Ziel vor Augen. Doch auf diesem Weg geht es um mehr als das Ankommen.
Wer schon einmal an einer Wallfahrt teilgenommen hat, weiß: Der Weg selbst ist etwas Besonderes. Schritt für Schritt lässt man den Alltag hinter sich. Es entstehen Gespräche, neue Begegnungen und Momente der Stille. Es wird gesungen, gebetet und gelacht. Und wenn die Füße schwer werden, spürt man, wie gut Gemeinschaft tut. Niemand muss den Weg allein gehen.
Darin liegt vielleicht eine Verbindung zwischen der Weltmeisterschaft und einer Wallfahrt: Große Ziele erreicht niemand allein. Menschen tragen einander. Sie machen Mut, wenn die Kraft nachlässt, und freuen sich gemeinsam über das Erreichte.
Auch im Glauben sind wir nicht allein unterwegs. Davon erzählt die Geschichte der Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Nach dem Tod Jesu sind sie enttäuscht, ratlos und voller Fragen. Sie hatten gehofft, doch nun scheint alles anders gekommen zu sein. Während sie miteinander reden und ihre Sorgen teilen, kommt ein Fremder hinzu und geht mit ihnen. Er hört ihnen zu, stellt Fragen und eröffnet ihnen neue Perspektiven. Erst später erkennen sie, dass Jesus selbst sie auf ihrem Weg begleitet hat. Rückblickend sagen sie voller Staunen: „Brannte uns nicht das Herz, als er unterwegs mit uns redete?“ (Lk 24,32).
Vielleicht kennen auch wir solche Erfahrungen. Ein Gespräch zur richtigen Zeit, ein Mensch an unserer Seite, ein Wort, das Mut macht und neue Kraft schenkt. Oft merken wir erst im Nachhinein, dass wir auf schwierigen Wegstrecken nicht allein waren.
Die Osnabrücker Wallfahrt nach Telgte lädt uns ein, genau das neu zu entdecken. Wir bringen unsere Sorgen und Hoffnungen, unseren Dank und unsere Bitten mit. Jeder Schritt kann ein Moment des Nachdenkens sein, jede Begegnung eine Ermutigung, jeder gemeinsame Kilometer ein Zeichen dafür, dass wir füreinander da sind.
Dies gilt nicht nur für die Wallfahrt, sondern für unser ganzes Leben. Manches fällt leicht, anderes kostet Kraft. Es gibt Umwege und Pausen. Doch vieles wird leichter, wenn Menschen einander begleiten und unterstützen.
Wenn die Fußball-Weltmeisterschaft in diesen Tagen ihrem Höhepunkt entgegengeht, werden wir wieder sehen, was gemeinsames Unterwegssein bewirken kann. Hinter jedem Erfolg stehen Menschen, die einander vertrauen, motivieren und tragen. Eine ähnliche Erfahrung machen viele auf der Wallfahrt: Das Ziel ist wichtig, aber wertvoll wird der Weg vor allem durch die Menschen, die ihn gemeinsam gehen.
Und vielleicht liegt darin auch die eigentliche Botschaft - auf dem Fußballplatz, auf dem Pilgerweg und mitten im Alltag: Wir kommen weiter, wenn wir einander begleiten. Wir gewinnen, wenn wir Hoffnung teilen. Und wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott unsere Wege mitgeht, nicht erst am Ziel, sondern auf jedem einzelnen Schritt.
Ich wünsche allen Pilgerinnen und Pilgern eine gesegnete Wallfahrt nach Telgte und uns allen die Zuversicht, immer wieder neu aufzubrechen. Denn die schönsten Wege sind oft die, die wir nicht allein gehen.
Christian Damerau
Pastoralassistent in St. Marien Telgte