An(ge)dacht

Kardinal von Galen

Liebe Gemeindemitglieder und Gäste!

Der 16. März ist für unsere Kirchengemeinde St. Marien und vielleicht auch für so manchen geschichtsbewussten Telgter ein besonderes Datum. Am kommenden Montag vor genau 80 Jahren kehrte nämlich Bischof Clemens August Graf von Galen nach seiner Kardinalserhebung aus Rom nach Deutschland zurück. Sein erster Weg aber führte ihn nicht direkt in seine Bischofsstadt, sondern zuerst zum Gnadenbild von Telgte. Ausgerechnet die Begegnung mit der Schmerzhaften Mutter hatte ihn in der Zeit des Nationalsozialismus zum ‚Löwen von Münster‘ werden lassen, ihrem Bild schenkte er aus Dankbarkeit seinen Bischofsring.

Bereits am 22. März, also wenige Tage nach seinem Besuch in Telgte, verstarb der Kardinal in Münster infolge eines Blindarmdurchbruchs. Er wurde am 9. Oktober 2005 von Papst Benedikt XVI. in Rom seliggesprochen. Sein Grab befindet sich im Münsterschen Dom, in Telgte erinnert eine Reliquie im Altar der Gnadenkapelle und ein Gedenkstein mit seinem Wahlspruch sowie viele persönliche Gegenstände und Schriften im Religio-Museum an diese starke, aber im menschlichen Umgang nicht immer einfache Persönlichkeit.

Entsprechend seinem Wappenspruch „Nec laudibus, nec timore“, den er selbst mit „Nicht Menschenlob, nicht Menschenfurcht soll uns bewegen“ übersetzt hat, griff er bereits in seinem ersten Osterhirtenbrief 1934 zentrale Aussagen der NS-Ideologie an und bezeichnete sie als Neuheidentum. In einigen berühmt gewordenen und unter der Hand verteilten Predigten aus dem Sommer 1941 protestierte er öffentlich gegen den Klostersturm und die Vernichtung unwerten Lebens durch die NS-Machthaber, die daraufhin ihre Euthanasie-Aktion T4 zumindest für ein Jahr einstellen mussten.

Obwohl ihn selbst der päpstliche Nuntius Orsenigo als herrisch, starrsinnig und schulmeisterlich bezeichnete, was er wohl auch manchmal tatsächlich war, ist er ein katholischer Seliger.

Erwarten wir bei Heiligen also nicht perfekte Menschen (allein Gott ist perfekt) oder überwiegend smarte, freundliche und menschlich-geschmeidige, sondern eher mutige und selbstlose Kämpferinnen und Kämpfer für Recht und Gerechtigkeit, die die göttliche Würde eines jeden Menschen zu schützen versuchen.

Ich persönlich bin stolz, in einer Kapelle wirken zu dürfen, in der dem seligen Clemens August immer wieder Kraft, Mut und Klarheit geschenkt wurden, um in Zeiten von Angst und Gewalt für Wahrheit, Gerechtigkeit und das Leben zu kämpfen.

Propst Michael Langenfeld

Propst Michael Langenfeld

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