An(ge)dacht

KI und Werte - Magnifica Humanitas

Liebe Gemeindemitglieder und Gäste!

Als ich in den 80er Jahren in Rom studierte, nutzten viele Italiener bereits drahtlose Autotelefone, damals meist noch ziemlich klobige Geräte. Und auch jetzt bei meinem Aufenthalt in Rom stelle ich fest, dass diese Freude an der Nutzung moderner Technik geblieben ist. Fast überall zahlt man hier mit dem Telefonino, Tickets aller Art werden in der Regel digital vorbestellt und bezahlt und selbst in einem ganz normalen Restaurant bekamen wir gestern Abend keine traditionelle Speisekarte, sondern konnten nur noch per QR-Code unser Menü auswählen. Und wenn ich über ein Kunstwerk mehr wissen möchte, mache ich davon ein Foto und lasse mir von KI alles darüber erzählen.

Vielleicht ist es dieser selbstverständliche Umgang mit digitaler Technik und KI, die in Italien einen regelrechten Run auf die Enzyklika „Magnifica humanitas“ von Papst Leo ausgelöst hat. Der Gedanke, dass KI nicht neutral ist, sondern die Botschaften derer verbreitet, die sie konzipieren, finanzieren und regulieren, lässt manchen freiheitsliebenden Italiener doch nachdenklich werden.

Für mich ist in diesen Tagen in Rom neben Begegnung, Kunst und Kultur ganz überraschend die Beschäftigung mit KI dazugekommen. Und was ich von Papst Leo bisher verstanden habe: Letztlich muss immer ein Mensch benennbar sein, der eine Entscheidung verantwortet. Gerechtigkeit gehört in die Grundkonzeption der KI. Die Werte, nach denen sich die KI ausrichtet, darf nicht in den Vorstandsetagen weniger Konzerne entschieden werden. Und in kriegerischen Auseinandersetzungen darf nie ein Algorithmus über Leben und Tod von Menschen entscheiden.

Was mich diesmal in Rom sehr ermutigt: Die Leute haben nicht nur Spaß an moderner Technik, sie freuen sich ebenso über die ungewöhnlich klaren Worte des Papstes.

Mit diesen Erfahrungen aus der Ewigen Stadt grüßt Sie

Propst Michael Langenfeld

Zurück