An(ge)dacht

Lazarus - Gottes Plan?

Liebe Schwestern und Brüder,

das Evangelium vom nächsten Sonntag erzählt uns eine der bewegendsten Begegnungen Jesu: die Auferweckung des Lazarus. Der Evangelist Johannes deutet damit auf das Leben hin, das Gott schenkt – ein Leben, das stärker ist als Trauer und Tod und das in der Liebe ewig bleibt.

Die Schwestern des Lazarus, Marta und Maria, senden eine Botschaft an Jesus Christus: „Herr, siehe, der, den du liebst, er ist krank.“ Doch Jesus kommt nicht sofort. Vielleicht wollte Jesus zeigen, dass Gottes Zeit und Gottes Plan tiefer gehen, als wir es zunächst erkennen.

Als Jesus schließlich ankommt, ist Lazarus bereits vier Tage im Grab. Marta geht ihm entgegen und sagt: „Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.“ In diesen Worten hören wir eine berührende Erfahrung des Schmerzes, aber auch großes Vertrauen. Jesus antwortet mit einem der zentralen Sätze des Evangeliums: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“

Diese Worte richten sich nicht nur an Marta. Sie richten sich an jeden von uns. Gerade in der Fastenzeit denken wir über unser Leben nach – über das, was zerbrochen ist, über Schuld und über Hoffnung. Manchmal fühlen wir uns selbst wie Lazarus im Grab: gefangen in Angst, Trauer oder Resignation.

Doch Jesus bleibt nicht auf Distanz. Das Evangelium sagt sogar: Er war tief erschüttert und weinte. Gott steht nicht kalt neben unserem Leid – er teilt es mit uns. Dann ruft Jesus mit lauter Stimme: „Lazarus, komm heraus!“ Der Tote kommt heraus, gebunden mit Grabtüchern. Jesus befiehlt: „Löst ihm die Binden und lasst ihn gehen.“

Das ist das Zeichen Gottes: Wo Menschen nur das Ende sehen, schafft Gott neues Leben. Die Auferweckung des Lazarus ist ein Vorausblick auf das Ostergeheimnis.

In wenigen Wochen feiern wir Ostern. Dieses Evangelium lädt uns ein, zu glauben und zu bekennen wie Marta: „Ja, Herr, ich glaube.“ So führt Christus auch uns vom Tod zum Leben.

Denn Christus ruft auch uns aus unseren Gräbern heraus – aus allem, was uns gefangen hält. Er kommt uns entgegen, er begegnet uns und schenkt uns Leben, Hoffnung und Zukunft, damit wir ihn überall verkünden. Amen.

Pater Ephrem OSB

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