An(ge)dacht

Möge diese Zeit für uns nicht nur eine äußere Gewohnheit bleiben...

„Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehren wirst.“

Liebe Schwestern und Brüder, letzten Mittwoch sind wir gemeinsam in die Fastenzeit eingetreten – eine besondere Zeit im Kirchenjahr, eine Zeit der Umkehr, eine Zeit der Besinnung.

Im Alten Testament beschreibt der Prophet Joel diese Zeit mit dem eindringlichen Ruf: „Kehrt um zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, Weinen und Klagen.“ Im Neuen Testament spricht der Evangelist Matthäus vom Beten, Fasten und Almosengeben – nicht als äußere Leistung, sondern als innere Haltung in dieser Zeit.

Die Fastenzeit ist eine Zeit der Umkehr, eine Zeit, um die Beziehungen zu vertiefen – zu Gott, zu uns selbst und zueinander. Eine Zeit, mit Jesus Christus, „dem Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt“ (Joh 1,29), mit dem „guten Hirten, der sein Leben für die Schafe hingibt“ (Joh 10,11.14–15.18), zu leben.

Der Apostel Paulus schreibt im Epheserbrief, dass „Christus uns geliebt und sich für uns hingegeben hat als Gabe und Opfer, das Gott gefällt“ (Eph 5,2). Er bezeugt auch: „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren“ (Röm 5,8).

Liebe Schwestern und Brüder, diese Fastenzeit ist eine Einladung an uns, wie der heilige Paulus unser Leben neu auszurichten: „Was ich nun im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20).

Möge diese Zeit für uns nicht nur eine äußere Gewohnheit bleiben, sondern zu einer echten inneren Erneuerung führen. Möge sie uns helfen, still zu werden und auf die leise Stimme Gottes in unserem Herzen zu hören. Möge sie uns den Mut schenken, ehrlich auf unser Leben zu schauen und Schritte der Versöhnung zu gehen.

Möge sie uns neu erfahren lassen, dass Gottes Liebe größer ist als unsere Schuld. Möge sie unsere Herzen öffnen für die Not unserer Mitmenschen und uns zu Werken der Barmherzigkeit bewegen. Möge sie uns tiefer hineinführen in das Geheimnis des Kreuzes und der Auferstehung Christi.

So lasst uns diese Zeit bewusst annehmen – als Weg der Umkehr, als Weg der Liebe und als Weg des Vertrauens auf Gott. Bitten wir den Herrn, dass er unsere Herzen verwandelt, damit wir an Ostern erneuert und gestärkt die Freude der Auferstehung feiern können. Amen.

 

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