An(ge)dacht

Ostergruß

Liebe Gemeindemitglieder und Gäste!

Kennen Sie den Ausdruck ‚Kleine Tode sterben‘?

Er steht sinnbildlich für die vielen körperlichen, geistigen und seelischen Erlebnisse im Leben, die sich anfühlen, als müsse man jetzt sterben. Das können enorme körperliche Schmerzen oder starke Erschöpfungszustände sein, Momente tiefer Enttäuschung, Angst oder Einsamkeit, schwere innere Kämpfe und Konflikte bis hin zum Gefühl völliger Verlassenheit.

Die kleinen Tode, die wir alle immer mal wieder sterben, erinnern uns bereits mitten im Leben an unsere endgültige Sterblichkeit, sie sind gleichsam Vorboten des Todes.

Wenn wir nun mit dem Palmsonntag in die Karwoche und die Feier des Osterfestes eintreten, erleben wir mit, wie auch Jesus zuerst diese vielen kleinen Tode sterben muss, bevor er endgültig ans Kreuz geschlagen wird: den Absturz vom begeisterten ‚Hosianna‘ am Palmsonntag zum hasserfüllten ‚Kreuzige ihn‘ am Karfreitag, das feige und ungerechte Urteil, die schweren Folterungen, die öffentlichen Beleidigungen und Bloßstellungen, die ihn in seinem tiefsten Innersten verletzen, der Verrat und die Flucht seiner Jünger bis hin zum Gefühl der totalen Verlassenheit sogar von Gott, den er seinen Vater nannte: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Wir erleben aber auch mit, dass es so etwas wie die kleinen Ostermomente gibt, die Jesus bereits auf dem Kreuzweg der kleinen Tode aufscheinen, bevor das ewige Ostern alles überstrahlen wird: die Nähe seiner Mutter, die liebevolle Geste der Veronika, die mitleidenden Frauen und nicht zuletzt das Fünkchen Gottvertrauen, das ihn am Ende beten lässt: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“

Und dann dürfen wir miterleben und miteinander in Freude und Ausgelassenheit feiern, dass Gott dieses kleine Fünkchen Gottvertrauen in Leben wandelt - ein Leben, das die kleinen Tode mitten im Leben überwindet, und ein Leben, das dem vermeintlich endgültigen Tod den Garaus macht. Wir feiern die Auferstehung Jesu Christi und damit unsere Hoffnung auf das Leben!

Beseelt von dieser Hoffnung und Osterfreude

wünsche ich Ihnen und allen, die Sie im Herzen tragen,

auch im Namen unseres Seelsorgeteams

ein frohes und gesegnetes Osterfest,

Propst Michael Langenfeld

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