An(ge)dacht

Pfingsten

Liebe Gemeindemitglieder und Gäste!

Wer ein wenig nachspüren möchte, welch‘ dichtgedrängte Menge an verschiedensprachigen Menschen damals in Jerusalem zusammenstand, als Gott seinen Heiligen Geist auf sie ausgoss, der sollte einmal an Pfingsten die Messe in der historischen Pantheon-Kirche in Rom mitfeiern, in der tausende rote Blütenblätter durch die Öffnung des Kirchendaches auf die Gläubigen und Touristen aus aller Welt niederregnen und ein Chor das „Veni creator spiritus“, das „Komm, Heiliger Geist“ voller Inbrunst schmettert.

Dieser Brauch will bildlich erlebbar machen, was selbst gläubige Christen anderen Menschen nur schwer beschreiben können: 50 Tage nach Ostern, so berichtet die Apostelgeschichte der Bibel, ergießt sich in Jerusalem der Geist Gottes wie ein gewaltiger Sturm und mit Zungen wie von Feuer auf die Jüngerinnen und Jünger Jesu. Und sie alle werden vom Heiligem Geist erfüllt und fangen an, die Frohe Botschaft von Jesus Christus in anderen Sprachen mutig und mit Begeisterung zu verkünden.

Wer das etwas weniger inszeniert als in Rom erleben möchte, komme einfach dazu, wenn die Wallfahrt junger Gläubiger anderer Muttersprache, Kultur und Ritus hier bei uns in der Propsteikirche zur Pilgermesse zusammenkommt. Obwohl die meist jungen Pilgerinnen und Pilger ganz verschiedene Sprachen sprechen und aus ganz unterschiedlichen Kulturen kommen, beten und feiern sie friedlich vereint ihren gemeinsamen Gott.

An Pfingsten, so würde ich es zu erklären versuchen, feiern wir Christen diese unglaubliche Kraft, die Gott uns immer wieder neu schenkt. Und wir erneuern unsere Bereitschaft, diese Kraft Gottes in uns aufzunehmen und in uns und aus uns wirken zu lassen. Wir bitten Gott darum, uns Mut, Begeisterung und eine Art Sprache zu schenken, in der wir über die Liebe und Nähe Gottes und das Wirken Jesu einigermaßen verständlich und glaubwürdig sprechen können.

Und weil der Geist Gottes immer auch ein Gemeinschaftsstifter ist, feiern wir hier in Telgte seit vielen Jahren am Pfingstmontagmorgen gemeinsam mit der evangelischen Gemeinde einen ökumenischen Gottesdienst auf dem Kirchplatz.

Uns allen wünsche ich an diesem Fest

die Begegnung mit vielen geisterfüllten Menschen!

Propst Michael Langenfeld

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