An(ge)dacht

Staubfänger...oder mehr??

Liebe Gemeindemitglieder und Gäste!

„Und bringen Sie nicht wieder so viele Staubfänger mit!“ - Das war die Mahnung meiner früheren Haushälterin, wenn ich mich in den Urlaub aufmachte. Ich gehöre tatsächlich zu den Menschen, die in ihrer Freizeit gerne einmal über Trödelmärkte oder durch Antikläden streifen und sich ziemlich lange in Geschäften mit Kunst oder Kunsthandwerk aufhalten können. Und da spielt es keine Rolle, ob Bilder, Keramik oder Skulpturen historisch-gegenständlich oder modern-abstrakt sind. Ich tue das nicht in erster Linie, um unbedingt etwas zu kaufen, sondern weil mich Kunst und Kunsthandwerk durchaus ansprechen, inspirieren und sogar berühren.

Wenn ich dann doch etwas erwerbe, sind das in der Regel Darstellungen, die ich als schön oder als lebensbejahend empfinde. Vor einiger Zeit aber habe ich drei Bilder eines französischen Karikaturisten zum Thema ‚Frieden‘ gekauft: Eine Taube mit einem zerfledderten Olivenzweig im Schnabel, eine Menschenmenge in Form eines großen Fragezeichens und eine Weltkugel, mit der eine Hand JoJo spielt. Erst später wurde mir klar, dass sie bildlich und künstlerisch etwas von dem widerspiegeln, was ich beim Anblick unserer zerrissenen und friedlosen Welt empfinde, nämlich Ohnmacht und Ratlosigkeit.

Oft hilft die Kunst, uns unserer eigenen Gemütslage bewusst zu werden, die wir mit unserem Verstand vielleicht lieber verdrängen würden.

Wenn ich heute diese neuen „Staubfänger“ bei mir betrachte, werde ich daran erinnert, dass das Eingeständnis der eigenen Ohnmacht und Ratlosigkeit erst den Raum der Bitte öffnet auf den hin, der von sich selbst sagt: „Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde“ (Mt, 28, 18).

Manche Staubfänger machen doch Sinn, meint

Propst Michael Langenfeld

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