An(ge)dacht
umgehen mit einer manchmal völlig schrägen Debattenkultur
Liebe Gemeindemitglieder und Gäste!
Ich bin eben old school und liebe immer noch das Kino. Vor einigen Tagen sah ich mir gemeinsam mit einem Freund „Extrawurst“ an, einen Film mit Hape Kerkeling, Christoph Maria Herbst und Fahri Yardım. Die mit Pointen reich bestückte Komödie ist witzig und satirisch, (selbst)kritisch und peinlich zugleich.
Aus deutsch-biederer Vereinsmeierei, Political Correctness und alltäglichen menschlichen Schwächen entwickelt sich in diesem Film ein explosives Gemisch bitterböser Wortgefechte und Verdächtigungen, die Denk- und Fühlschichten der Akteure freilegen, die eigentlich überwunden schienen. Und sie treiben einen ganz normalen Tennisverein, in dessen Mitte diese Komödie spielt, an den Rand des Zusammenbruchs.
Eigentlich geht es in der Handlung anfangs ‚nur‘ um einen Grill. Plötzlich aber geht es um ‚Mehrheitsbratwurst‘ und ‚Extrawurst‘, um Türken und Deutsche, um Demokratie und Diktatur, um Religion und Atheismus, um Meinungsfreiheit und Redeverbot und natürlich um das Verhältnis von Frauen und Männern bis hin zu einem Extra-Clo für Diverse. Es wird grundsätzlich. Und ausnahmslos alle reden sich um Kopf und Kragen.
Ich merke jetzt schon, dass mir dieser Film guttut. Er lässt mich nämlich gelassener umgehen mit einer manchmal völlig schrägen Debattenkultur in unserer Gesellschaft wie auch in unserer Kirche. Aber wichtiger: Er lässt mich ganz persönlich auch ernsthaft darüber nachdenken, welche durchaus frag-würdigen Meinungen und Haltungen vielleicht auch (noch) in mir verborgen sind.
Sie merken wahrscheinlich, dass ich diesen Film durchaus empfehle, muss aber politisch korrekt hinzufügen, dass das meine ganz persönliche Meinung ist …
Mit einem Schmunzeln grüßt Sie
Propst Michael Langenfeld