An(ge)dacht
Wo zwei oder drei...
Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen (Mt 18,20)
Im Evangelium des heutigen Sonntags steht auch folgender Satz:
„Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht.“ (Mt. 18,15)
Zu diesem Satz ist mir eine Geschichte aus dem Leben des hl. Franziskus eingefallen. In der Stadt Gubio in Italien gibt es einen Konflikt zwischen den Bürgern der Stadt und einem Wolf, der dort im Wald lebt. Der hl. Franziskus, der die Stadt besucht, wird von den Bürgern um Rat gefragt. Franziskus geht den Konflikt zwischen den Bürgern von Gubio und dem Wolf – historisch wahrscheinlich ein Ritterclan – aktiv an. Dabei exponiert er sich selbst und engagiert sich für das Leben der gefährdeten Bevölkerung. Er verweigert die Dämonisierung einer Seite und erkennt eine Geschwisterlichkeit an, die alle am Konflikt Beteiligten einbezieht. Der Heilige geht unbewaffnet zum Wald. Der Wolf kommt ihm mit seiner Waffe entgegen. Der hl. Franziskus stellt Gott in den Mittelpunkt, indem er ein Kreuzzeichen macht. Er spricht den Wolf an und nennt die wahren Ursachen von Gewalt und Ungerechtigkei beim Namen. Der Wolf bedroht mit Gewalt das Leben der Bürger, diese aber haben die Gewalt mit provoziert, indem sie dem Wolf die notwendige Nahrung verweigerten. Franziskus ermahnt zur Umkehr und Versöhnung aller am Konflikt Beteiligten und fördert diese, indem er sich als Garant eines Friedensschlusses zur Verfügung stellt. Als Voraussetzung zum Abschluss eines Friedens ist er behilflich, die Gerechtigkeit als Grundlage des Friedens wiederherzustellen. Die Bürger versprechen dem Wolf, das Notwendige zur Ernährung zu gewährleisten, und der Wolf verzichtet auf weitere Gewaltakte.
Diese Lehrerzählung aus den franziskanischen Quellen will am Beispiel des hl. Franziskus Menschen bewegen, in Konfliktsituationen ähnlich zu handeln und sich für den Frieden einzusetzen. Dem schon im Hier und Heute beginnenden Gottesreich, einem Reich des Friedens, soll in der Realität des Lebens Raum gegeben werden. Es ist wie eine Kraft eine Umarmung von Umkehr und Versöhnung.
So kann das, was Jesus in diesem Evangelium verspricht, wahr werden: „Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“
Ich wünsche Ihnen und auch mir den Frieden, den der Auferstandene nicht nur den Aposteln, sondern uns allen wünscht.
Sr. M. Theodore Hofschen