An(ge)dacht
Die Welt verändert sich
Liebe Gemeindemitglieder und Gäste!
Die Welt verändert sich, wer wollte das bestreiten? Unsere Gesellschaft verändert sich und unsere Kirchen verändern sich auch. Das ist nichts Neues, wenn auch das Tempo dieser Veränderungsprozesse in unseren Tagen deutlich rasanter scheint als früher.
Wo sich die Kirchen verändern, verändert sich auch die Seelsorge. Zwar bleibt die eigentliche Botschaft gleich, allerdings verändern sich Art und Weise, Gott und seine Frohe Botschaft zu feiern, sie zu verkünden und zu leben.
Solche Veränderungsprozesse sind fast immer mit Verunsicherungen und auch mit Verlusten verbunden. Und mitten in diesen Entwicklungen ist noch nicht ohne weiteres erkennbar, wohin der Weg führt.
Wir stehen gesellschaftlich, politisch und auch kirchlich ‚mitten im Fluss‘. Nicht nur in der Politik, auch in den Kirchen gibt es heute eine Fülle von unterschiedlichen Ansichten, Überzeugungen und Lebensformen. Und unsere Gemeindemitglieder und auch ich selbst lernen oder haben es schon längst gelernt, damit zu leben und diese Vielfalt als bereichernd zu empfinden.
Deshalb bin ich froh, in einem Ort und in einer Kirchengemeinde zu leben, wo es viele Frauen und Männer und auch junge Menschen gibt, die gemeinsam mit mir in diesen für die Kirchen sicherlich bewegten Zeiten nach neuen und anderen Wegen suchen, unseren christlichen Glauben zu feiern, nach außen zu tragen und zu leben. Das ist letztlich der Grund, warum wir unsere Kirche umgestaltet und etwas zeitgemäßer designt haben. Das ist der Grund, warum wir neben unseren traditionellen Messfeiern auch Worship-Gottesdienste feiern und junge Familien, die den christlichen Glauben leben wollen, miteinander vernetzen. Mit unserer Vortragsreihe ‚Weite wagen‘ machen wir zwar keine herkömmliche Glaubensvermittlung, wir ermöglichen aber Begegnung mit Christen, die mutig und mit Freude über ihr konkretes Alltagsleben mit Gott erzählen. Morgen z.B. die vielen bekannte TV-Moderatorin Yvonne Willicks. Wir bringen Senioren zusammen, vor kurzem noch die 75jährigen, und haben für Ein-Eltern-Familien erst einmal einen wunderbaren Nachmittag organisiert. Und weil wir selbst in unserer Kirchengemeinde, aber ebenso unsere Gäste sehr unterschiedlich ‚ticken‘, werden wir auch weiterhin ein sehr differenziertes spirituelles Angebot in der Advents- und Fastenzeit anbieten. Und wir versuchen etwas zu leben, was unseres Erachtens sehr wichtig und zutiefst christlich ist: Gastfreundschaft. Deshalb errichten wir bald ein modernes Pilger- und Begegnungszentrum, das den einladenden Charakter unseres Wallfahrtsortes noch einmal unterstreichen soll.
Viele Menschen in unserer Kirchengemeinde legen angesichts bewegter Zeiten ihre Hände nicht in den Schoß, sondern probieren Neues und Anderes aus. Ob wir dabei letztlich alles richtig machen, wissen wir auch nicht. Darüber zu urteilen, überlassen wir vertrauensvoll dem, dem wir uns verdanken.
In der Hoffnung, Ihnen mit diesen etwas grundsätzlicheren Gedanken zu Kirche und Seelsorge gedient zu haben, grüßt Sie
Propst Michael Langenfeld