An(ge)dacht

Fake News und das unbedachte alltägliche Geschwätz

Liebe Gemeindemitglieder und Gäste!

Sogenannte ‚Fake News‘ sind nicht etwas völlig Neues. Ohne oder auch mit digitalen Medien kennt jeder und jede von uns dieses Phänomen im mehr lokalen und privaten Umfeld. Wir nennen es eher Gerede, Gerüchte, Halbwahrheiten oder Lügen. Sie sind oft ähnlich emotional und manipulierend wie Fake News, werden aber in der Regel nicht so systematisch und gezielt verbreitet. Während Fake News vor allem über das Netz möglichst anonym gesellschaftliche und politische Verwirrung und Verunsicherung stiften wollen, dienen die alltäglichen Gerüchte eher dazu, einzelne Menschen auf subtile Weise herabzusetzen und sie lächerlich oder unglaubwürdig zu machen. Wer im Alltag Gerüchte in die Welt setzt, will sich entweder vor anderen wichtigmachen oder sich auf eine versteckte Weise für selbst erlittenes Unrecht rächen.

Mir persönlich hilft bis heute eine Erzählung vom heiligen Philipp Neri (1515-1595), mich nicht zu oft in die alltägliche Gerüchteküche locken zu lassen. Diese Geschichte erzählt:

Eine Frau beichtete, sie habe viel und schlecht über andere Menschen geredet und reichlich Klatsch verbreitet. Sie bereute ihr Verhalten und fragte den Priester, was sie tun könne, um den Schaden wiedergutzumachen. Der Priester gab ihr eine ungewöhnliche Buße auf: Sie solle nach Hause gehen, ein Federkissen holen, auf dem Marktplatz dieses Kissen aufschlitzen und alle Federn in den Wind werfen. Die Frau tat es und kehrte zurück. ‚Und nun?‘, fragte sie. Der Beichtvater sagte: ‚Nun geh hinaus und sammle alle Federn wieder ein.‘ Die Frau erwiderte: ‚Das ist unmöglich! Der Wind hat sie überall hingetragen. Ich kann sie niemals alle mehr wiederfinden.‘ Da sagte Philipp Neri: ‚So ist es auch mit unserem leichtfertigen Gerede über andere Leute. Einmal in die Welt gesetzt, verbreitet es sich in alle Richtungen. Auch wenn wir unser Geschwätz bereuen, wir können es nicht vollständig zurückholen.‘

Helfen Sie mit, dass Fake News und das unbedachte alltägliche Geschwätz unser Miteinander nicht beschädigt oder gar zerstört.

Dazu ermutigt Sie (und sich selbst)

Propst Michael Langenfeld