An(ge)dacht

‚Herr, gib mir Geduld, aber sofort!‘

Liebe Gemeindemitglieder und Gäste!

‚Herr, gib mir Geduld, aber sofort!‘ Ein herrliches Bonmot über die menschliche Ungeduld!

Nicht selten höre ich, dass Menschen durchaus um ihre Ungeduld wissen und sich ernsthaft um (die Gabe der) Geduld bemühen: Wenn’s zum Beispiel darum geht, einen langwierigen Heilungsprozess zu durchleben, wenn’s darum geht, im Alltag mit längeren Wartezeiten klarzukommen oder wenn’s einfach darum geht, mit anderen Menschen und ihren Stärken und eben auch Schwächen zusammenzuleben oder zu arbeiten.

Was ist denn eigentlich Geduld, besonders für uns, die wir bewusst ein Leben aus dem Glauben zu führen versuchen? Sicherlich bedeutet Geduld nicht, Gefühle zu unterdrücken und einfach nur abzuwarten, dass eine schwierige Situation sich ändert. Geduld ist kein sinnloses Durchhalten, keine Resignation, nichts Passives, das man ertragen müsste.

Für uns gläubige Menschen, so meine ich, ist Geduld sogar eher etwas Aktives, das aus unserem Vertrauen zu Gott erwächst. Es ist nicht die Haltung des passiven Ertragens, sondern der aktiven inneren Annahme einer Lebenssituation. Denn obwohl Leiden manchmal richtig schmerzt, manches Warten fast unerträglich ist und gewisse Frustrationen so manche tiefe Wunden reißen, leben wir Christen doch aus dem Glauben, dass all‘ diese Dinge nicht das letzte Wort haben. Es ist also vielmehr der von Ostern her geprägte Glaube, der meines Erachtens eine tiefe und grundsätzliche Geduld bewirkt.

Um es etwas pointiert auszudrücken: Ungeduld ist wohl ein Zeichen, dass ein Mensch die Kontrolle über sein eigenes Leben zu verlieren droht, während der geduldige Mensch bereits sein jetziges Leben vertrauensvoll mit Gott lebt.

‚Geduld baut Brücken, Ungeduld hat schon viele Wege zerstört.‘

Ganz in diesem Sinne ein gutes Wochenende,

Propst Michael Langenfeld