An(ge)dacht

„Wir Menschen sind Experten darin, nicht zu sehen, was wir haben, aber zu sehen, was wir nicht haben …“

Der großartige Franziskanerpater Dr. Slavko Barbaric, ofm, der viele Jahre im Marienheiligtum Medjugorje als Seelsorger wirkte und im Jahre 2000 im Alter von nur 54 Jahren viel zu früh starb, hat uns einen sehr schönen Gedanken hinterlassen. Mit Blick auf das Sonntagsevangelium habe ich mich daran erinnert:

„Wir Menschen sind Experten darin, nicht zu sehen, was wir haben,

aber zu sehen, was wir nicht haben …“

 Mag sein, dass dies ein wenig pessimistisch klingt, es enthält aber viel Wahres und Richtiges, eine aufmerksame zeitgenössische Beobachtung, wie ich finde, die wohl zutreffend ist. Mein Glas ist halb-leer, warum nicht halb-voll? Mein Urlaub ist fast zu Ende, warum sich nicht an der verbleibenden Zeit erfreuen? Wir schauen bedauernd zurück auf vorgestern und schauen voraus nach übermorgen und vergessen dabei das Heute.

Petrus versucht es Jesus nachzuahmen, selbst auf unsicheres Terrain wagt er sich hinaus, ohne festen Grund unter sich zu spüren. Mit dem Blick auf den Herrn geht es gut, mit dem Blick herab, auf sich selbst und auf die tobenden Wellen, den Gegenwind, den er spürt, nicht. Die Wochen des Sommers und eine Zeit zweckfreier Entspannung können auch die Blicke auf das Leben klären und beruhigen. Denn, eingespannt sind wir ja genug, im Räderwerk der Zeit, dass eine Aus-Spannung angesagt ist. Die wünsche ich Euch und Ihnen von ganzem Herzen, im Wissen darum, dass Jesus Christus Ängste nimmt, in dem er uns auf das eigene Potential und meine Möglichkeiten aufmerksam macht, nicht um diese sofort wieder einzusetzen, sondern mich zunächst einmal ganz einfach an ihnen zu erfreuen.

Ihr und Euer

Domkapitular Gregor Kauling

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