An(ge)dacht
Pauline Jaricot und der Neuanfang der Mission
Am vierten Sonntag im Oktober – dieses Jahr am 25. Oktober –begehen wir weltweit den Sonntag der Weltmission. Es ist die weltweit größte Solidaritätsaktion der katholischen Kirche. Der Tag wird 1926 von Papst Pius XI. ins Leben gerufen und feiert so in diesem Jahr sein 100-jähriges Jubiläum. Doch bereits gut hundert Jahre vorher gibt eine junge Frau aus Frankreich der Mission, die sich in einer tiefen Krise und einem historischen Umbruch befindet, neuen Schwung und Elan. Ihr Name - Pauline Jaricot.
1799 wird sie als Tochter reicher Seidenfabrikanten in Lyon geboren und findet Gefallen an der gehobenen Gesellschaft. Nach einer Predigt über die Eitelkeit vollzieht sich einer innerer Wandel. Das Evangelium sensibilisiert sie. Sie verändert ihr Leben radikal.
Erstens:
Sie gibt ihren Schmuck weg, beschließt, sich einfach wie eine Arbeiterin zu kleiden und beginnt die Armen zu besuchen und ihnen zu helfen.
Zweitens:
Während der Aufstände der Seidenweber in Lyon anfangs der 1830er Jahre wird Pauline aufgeschlossen für das Elend der Arbeiter.
Dabei hatte sie verstanden, dass die Verbesserung der Arbeitsbedingungen eine notwendige Voraussetzung für die Evangelisierung ist. Sie setzt ihr ganzes Vermögen ein und sammelt Geld für den Aufbau einer Modellfabrik .
Drittens:
Bereits 1820 hat die Französin eine zündende Idee: Sie organisiert eine Sammlung bei den Arbeiterinnen und Arbeitern ihres Vaters und erfindet das erste missionarische soziale Netzwerk: Einen Sou für die Mission. Kleine Beträge, aber von vielen. Mit dieser Idee eines Fundraisings (Mittelbeschaffung) entfaltet sie eine große Wirkung. Durch Gruppen von zehn, hundert oder gar tausend Menschen flechtet sie ein Netzwerk, in dem gemeinsam gebetet und eben auch für die weltweite Mission gesammelt wurde. Sie legt den Grundstein für die heutigen Missionswerke.
Der Gedanke der weltweiten Solidaritätsgemeinschaft lebt für uns in Deutschland in Missio weiter.
1862 stirbt Pauline Jaricot in völliger Armut.
2022 wird Pauline Jaricot seliggesprochen.
Glaube will weitergegeben und geteilt werden durch unser Engagement, unser Gebet, unsere Gabe für die weltweite Kirche. Der zurückliegende Sonntag für Kirche in Not und der vor uns liegende Sonntag der Weltmission erinnern uns daran.
Günther Falkenberg