An(ge)dacht

„Wer ist Jesus?“

Liebe Schwestern und Brüder,

wir alle haben schon an Prüfungen teilgenommen, bei denen uns Fragen gestellt wurden, die wir beantworten mussten. Auch im Evangelium vom nächsten Sonntag stellt Jesus seinen Jüngern zwei direkte Fragen: „Für wen halten die Menschen den Menschensohn?“ und dann noch viel persönlicher: „Für wen haltet ihr mich?“

Petrus, der Sprecher und Anführer der Jünger, bekennt: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Damit verkündet er, dass Jesus mehr ist als ein Prophet. Die Propheten sprachen von Gott, aber sie waren nicht selbst das Wort Gottes. Sie verkündeten, was sie von Gott empfangen hatten.

Jesus dagegen hat nicht nur das Wort Gottes weitergegeben – er selbst ist das Wort Gottes. Er kam, um zu erfüllen, was das Gesetz und die Propheten vorausgesagt hatten. Im Leben, im Sterben und in der Auferstehung Jesu erkennen seine Jünger immer tiefer: Dieser Jesus ist wirklich der Sohn Gottes.

Liebe Schwestern und Brüder, die Frage Jesu an seine Jünger richtet sich heute auch an uns: Wer ist Jesus für uns? Sind wir in unserem Leben dieser Frage schon einmal wirklich begegnet? Und wenn ja: Haben wir eine persönliche und authentische Antwort?

Der Glaube ist ein Geschenk Gottes; und doch ist er auch eine Entscheidung – die Entscheidung, dem Wort Gottes zu vertrauen, dass Jesus uns gibt und das er selbst ist. Der Glaube ist aber keine einmalige Entscheidung. Er wächst und reift, wenn wir persönlich erfahren, was wir glauben und worum wir beten. Je mehr wir Jesus kennenlernen, desto mehr kann aus einem Wissen über Jesus eine persönliche Beziehung zu ihm werden.

Jesus, der Sohn Gottes und Retter der Welt, kann aufrichtig geglaubt und erfahren werden, wenn wir uns ihm wirklich öffnen. Dann können wir mit einem ehrlichen Herzen beten: „O Jesu, du bist mein ganzes Leben, meine ganze Hoffnung, meine ganze Freude, meine ganze Ruhe, meine ganze Liebe.“

Jesus betraut Petrus mit der Leitung seiner Kirche, nachdem Petrus seinen Glauben bekannt hat. Auch wir sind berufen, unseren Glauben in dieser Welt sichtbar zu machen. Wir alle tragen Verantwortung dafür, dass Christus durch unser Leben für alle Menschen um uns herum erkennbar werden kann.

Darum erinnern wir uns an das Wort Jesu im Johannesevangelium: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ (Joh 14,9). Und wir hören das persönliche Zeugnis des Apostels Paulus im Galaterbrief: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“ (Gal 2,20)

Vielleicht ist das die eigentliche Herausforderung unseres heutigen Evangeliums: Nicht nur mit unseren Lippen zu sagen, wer Jesus ist, sondern mit unserem Leben zu zeigen, wer Jesus für uns ist.

Wenn Christus wirklich unser Leben prägt, dann sollen die Menschen etwas von ihm in unserem Denken, in unseren Worten, in unserer Liebe und in unserem Umgang miteinander erkennen.

Möge Jesus uns heute die Gnade schenken, dass wir nicht nur auf die Frage „Wer ist Jesus?“ eine Antwort wissen, sondern aus tiefstem Herzen sagen können:

„Jesus, du bist für mich der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Du bist mein Leben, meine Hoffnung und meine Zukunft.“

Liebe Grüße

Pater Ephrem OSB

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